Ich dachte, ich hätte erst einmal etwas Ruhe davor. Aber dann lag sie da, im Zug von Hannover nach Leipzig. Und sie haben die Antwort gefunden, so stand es jedenfalls auf der Titelseite: “Warum so viele Deutsche zu Mördern wurden.” Mit Bildern, wie sie halt nur ein Spiegel sich zu drucken traut, in der Ausgabe vom 10.März 2008.

Ich fresse die Zeilen, wo, wo, wo …ist die Antwort. Nach jeder weiteren Seite wird mir klar, sie haben sie natürlich auch nicht. Diese Themen, sie dienen weiterhin der Auflagestärke – anders kann ich mir das ledigliche Aufzählen von Fakten, die allseits bekannt sind und zu keiner Antwort führen, nicht erklären.

Nun, ein Fakt zur Erinnerung ist, das die Personen um Heydrich, die Organisatoren des Judenmordes, zu über 75 % Abitur hatten, über 66 % hatten studiert und fast 30 % promoviert. Statistisch gehöre ich zu dieser Gruppe – und da es immer noch keine Antwort und somit Präventation gibt, wie der normale Bürger zum Mörder wird, kann auch ich zum Mörder – Täter mutieren.

Was mich aber innerlich mehr aufwühlt und mich hilflos wütend, weil machtlos macht, ist. das immer mehr junge Menschen sich diesen Fragen nicht mehr stellen wollen. In einer überheblichen und alles besser wissenden Interlektualität wollen sie nicht weiter mit der Geschichte konfrontiert werden – weil sie ja angeblich nicht mit dabei waren und sie somit keine Schuld tragen. Genau durch dieses nicht bearbeiten, nachdenkens darüber kann jeder wieder leichtes Helfer-Werkzeug werden. Bei allem Recht der Jugend – hier muss was von den Alten geschehen. Aber wie?

Und das andere unschöne Gefühl in mir ist, dass immer noch das Elend der vielen Millionen Getöten - heute in Form eines derartigen Titelthemas einem reinen materialistischen Zweck dient – Auflagenstärke, Geld, Macht. Und so sind die scheinbar unerklärbaren Motive der Deutschen aus der dunklen Zeit - auf einmal eigene Motive, eingehüllt im Mantel eines uns aufklärend wollenden Artikels. Ich stelle mir die Frage:

Wo beginnt Scheinheiligkeit? Und – beginnt es damit?