Mit meiner eigenen Entwicklung, wurde mir ein Blick in die Zukunft möglich. Es ist meine rein “persönliche” Zukunft und meine rein “persönliche” Entwicklung, also keine technische oder chemische Konstruktion. Diese Entwicklung entstand aus einer veränderten Sichtweise meines Apparates, wie Freud unser Gehirn meist nannte. Entsprungen dem biologischen Fortgang - dem älter werden - sehe ich einiges neu, oder anders oder auch nicht mehr.
Gesehen habe ich meine Zukunft, als ich meinen Vater die letzten vier Tage begleitete, auf dem von ihm gewünschten Weg, ins Altenheim. Er nennt es: Das Hotel.
Das Leben ist ein Kreislauf. Es scheint mir, wie wir kommen, so gehen wir. An die Kindheit erinnert es, wenn aufgrund körperlicher Beeinträchtigungen mit Gehhilfen oder Laufwägelchen die Räume durchschritten werden. Wenn oft nachgefragt wird, ob das Gesagte auch tatsächlich verstanden wurde. Wenn stolz erzählt wird, was man (noch) besonders gut kann und dadurch doch noch einen Tick anders ist, als der Nachbar, der dazu nicht mehr in der Lage ist. Vielleicht haben diese Ähnlichkeiten zwischen Kindheit und Alter auch etwas symbolisches.
Wenn man angefangen hat Fragen zu stellen, lieber Fragezeichner, werden auch diese Fragen eines Tages gestellt. Man kann sich Ihnen nicht entzieh`n - wohl eine zeitlang verdrängen. In alledem sehe ich aber auch die große Chance, durch die Realität die dabei sichtbar wird, Zukunft und Leben bewusster wahr zu nehmen, vielleicht sogar zu gestalten.
Es zählt dabei für mich nicht die Zeit, die im Sandglas verschwindenden Sekunden. Der Augenblick sollte zählen und die in ihm liegende Stille.

3 comments
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Juni 16, 2008 um 6:09 Uhr vormittags
Fragezeichner
Jetzt verstehe ich deine Zeitmaschine! Ja, in gewisser Weise sieht man im Leben der anderen seine Zukunft, weil wir alle durch den gleichen Zyklus gehen müssen. Aber jeder tut es doch auf seine Weise, wenn man genau hinschaut, und damit ist das Leben jedes einzelnen doch so einzigartig.
Die Frage nach dem Alter hat mich als junger Zivildienstleistender sehr beschäftigt, seitdem liegt sie auf Eis. Und das finde ich auch ganz gut so. Jede Frage zu seiner Zeit.
Juni 16, 2008 um 8:13 Uhr vormittags
Menachem
Hallo, Fragezeichner, das “alles zu seiner Zeit” ist eine der wenigen mir vergönnten Lebensweisen, in der ich Geduld habe. Das kann ich garnicht hoch genug für mich schätzen, bin ich sonst sehr ungeduldig, alles von jetzt auf gleich. Ich wünsche dir, und auch mir, das wir dies noch lange beibehalten dürfen - muss auch für gewisse Antworten erst die Reife da sein.
Bei der Reise in die Zunkunft habe ich soviele Eindrücke mitgenommen, die ich gerne noch berichten würde. Besonders, das wir wohl Individuen sind, wir sehr sich aber die Wege gleichen. Ich bin Kind und Vater ( das ist jetzt kein IQ-Rätsel) und fasse es kaum, wie ich als 56 jähriges Kind die gleichen Wege gehe, wie mein Vater, und meine Tochter wiederrum die meinen. Obwohl ich alles anders machen wollte, wird beim genauen und mutigen Betrachten vieles deutlich. Da mischt sich kalte Ernüchterung und bekannte Wärme zu einem Wechselbad der Gefühle. Nicht unangenehm - nur unbekannt, weil neu.
Liebe Grüße, Menachem
Juni 16, 2008 um 10:27 Uhr vormittags
Fragezeichner
Wer alles anders machen will als der Vater, der orientiert sich damit gleichzeitig und unbewusst sehr stark am Vater. Und macht mit grösserer Wahrscheinlichkeit doch in gewisser Weise das Gleiche als jemand, dem der Vater egal ist. Ein faszinierendes Phänomen.