Als erstes ein kleines Dankeschön an Fragezeichner, bei dem ich etwas Luft ablassen durfte. Nun, mit etwas mehr Ruhe im Bauch, zu Sergio Bambaren und Paulo Coelho.
Es ist schon einige Jahre her, als ich beide las. Der eine erweckte meine Träume, der andere half mir auf dem Weg, in eine neue persönliche Selbständigkeit zu gehen. Sie waren für mich wertvolle Begleiter, als ich das Tor meiner midlife-crisis aufstoß. Immer noch, bin ich auf diesem Weg.
In seinem neuen Buch, “Die Rose von Jericho”, erzählt Bambaren von seiner Krankheit, die ihn aus seinem Schriftsteller-Himmel jäh runter in seinem persönlichen Lebens-Tiefpunkt riss. Meine Tochter hatte das Buch gegriffen, um die Langeweile der letzten Tage vor Ihrer Niederkunft zu überbrücken. So fand das Buch über DHL von Mannheim nach Leipzig seinen Weg zu mir - einem äußerst kritischen Leser des Inhalts.
Bambaren, bis dahin Agnostiker, überwand seine Krankheit mit dem 12-Schritte Programm der AA und seiner Hinwendung zur Spiritualität. Das Buch(lein) erzählt von den 12 Schritten und wie analog zu ihm andere ihren Weg aus ihren Krankheiten fanden - den Weg zur geistigen Genesung.
Gemäß dem Programm ist sein Buch die Hommage des 12. Schrittes: “Gib es weiter”.
Und so stellen sich mir wieder viele Fragen, auch die unserer Blaupause. Was bewegt uns, was wollen oder meinen wir klären zu müssen und was nicht, was gibt uns Ruhe und Frieden - was hemmt uns, unseren Weg zu sehen und gehen zu können?
Diese Fragen scheinen in uns zu sein und richten sich unüberhörbar an uns, wenn leider nicht alle von uns das Geschenk dieses Hörens empfangen durften. Vielleicht ist das Geschenk des “Hören können” auch nur das, das es das Schicksal gut mit uns meinte, und wir das, was wir hören können, verkraften werden. Für andere Schicksale ist es vielleicht vorbestimmt, besser und überlebenswichtig, taub dafür zu bleiben.
Und so wie der Jakobsweg ein spirituell, meditativer Weg zu sich selbst ist, so ist es auch das Programm der AA - denn es geht um eins:
Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann
und die Weisheit, das eine von dem anderen zu unterscheiden.

4 comments
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Juli 3, 2008 um 12:29 Uhr vormittags
Michael Kostic
Hallo Menachem,
ich denke das uns noch immer von kaum einer Seite gelehrt wird, bewusst wie zielgerichtet zu Sein. Dafür gibt es aber jede Menge Seiten, die uns massiv zum unbewussten und ziellosem “Dahinrackern” drängen.
Auffällig ist jedoch das Effekte wie die sog. “Midlife-Crisis”, schwere Erkrankungen und/oder ein starker Schock uns aus solcherlei “eingeschliffener” Bahn werfen.
Und ab da an sind wir auf der Suche nach einem Etwas, welches uns nirgends vermittelt wurde, was all die Anderen um uns herum weiterhin nicht leben können, weil es ihnen nicht vermittelt wurde. Dieser Kreis schließt sich und wir sind von diesem nun offensichtlich dauerhaft ausgeschlossen.
Was wir daraus machen, steht auf einem anderen Blatt
LG
Michael
Juli 3, 2008 um 6:38 Uhr vormittags
Fragezeichner
Da ich auch langsam auf die 40 zugehe und eine Midlife-Crisis herandräuen könnte, sollte ich mich mit Paul Coelho mal beschäftigen. Diese Fragen nach der eigenen und Aufgabe Rolle im Leben gehören in der Tat zu den quälenden Fragen, die man gerne unterdrückt, weil sie das Gewissen belasten…
Juli 3, 2008 um 1:13 Uhr nachmittags
liebesblüte
Lieber Menachem,
ein schönes Thema, worüber ich lieber “life” mit Dir reden würde.
Bist Du zufällig auch in Leipzig am 18 Juli?
Liebe Grüße
Liebesblüte
Juli 3, 2008 um 1:28 Uhr nachmittags
Menachem
Hallo Liebesblüte, im Moment schaut es so aus, als wäre ich in Leipzig, Habe alle Jobs gecanncelt. Ich würde mcih sehr freuen, mal wieder mit dir zu klönen.
Lieber @Fragezeichner, direkt vorab die gute Nachricht. Ich habe dies alles als eine Metamorphose erlebt. Ja, es ist manchmal eng in dem Panzer und ich musste mich hin und wieder quälen, aus der Enge herauszukommen. Ich habe aber auch immer die Schönheit vor Augen gehabt, wenn der Schmetterling fertig ist, die Flügel auffaltet und fliegt. Und dann, wirklich, eines Tages konnte ich das erste mal fliegen.