und ich sag dir, was du liest.

Dies fiel mir jetzt auf, hat doch die Blogospähre ihren eigenen Stil entwickelt, den auch ich angenommen habe. Kein Thomas Mann oder Goethe, tänzerisch und verspielt. Nein- nett, freundlich, höflich. Informationen werden gegeben, viel auch über sich selbst, was man denkt, fühlt, versteht und nicht.

Der Hochgenuß der sprachlichen Kunst und der Freude daran behält seinen Platz in den Büchern. Hier ist es einfach Alltags-menschlich, auf einem mir symphatischen Niveau. Ich mag das.

Mit meiner eigenen Entwicklung, wurde mir ein Blick in die Zukunft möglich. Es ist meine rein “persönliche” Zukunft und meine rein “persönliche” Entwicklung, also keine technische oder chemische Konstruktion. Diese Entwicklung entstand aus einer veränderten Sichtweise meines Apparates, wie Freud unser Gehirn meist nannte. Entsprungen dem biologischen Fortgang - dem älter werden - sehe ich einiges neu, oder anders oder auch nicht mehr.

Gesehen habe ich meine Zukunft, als ich meinen Vater die letzten vier Tage begleitete, auf dem von ihm gewünschten Weg, ins Altenheim. Er nennt es: Das Hotel.

Das Leben ist ein Kreislauf. Es scheint mir, wie wir kommen, so gehen wir. An die Kindheit erinnert es, wenn aufgrund körperlicher Beeinträchtigungen mit Gehhilfen oder Laufwägelchen die Räume durchschritten werden. Wenn oft nachgefragt wird, ob das Gesagte auch tatsächlich verstanden wurde. Wenn stolz erzählt wird, was man (noch) besonders gut kann und dadurch doch noch einen Tick anders ist, als der Nachbar, der dazu nicht mehr in der Lage ist. Vielleicht haben diese Ähnlichkeiten zwischen Kindheit und Alter auch etwas symbolisches.

Wenn man angefangen hat Fragen zu stellen, lieber Fragezeichner, werden auch diese Fragen eines Tages gestellt. Man kann sich Ihnen nicht entzieh`n - wohl eine zeitlang verdrängen. In alledem sehe ich aber auch die große Chance, durch die Realität die dabei sichtbar wird, Zukunft und Leben bewusster wahr zu nehmen, vielleicht sogar zu gestalten.

Es zählt dabei für mich nicht die Zeit, die im Sandglas verschwindenden Sekunden. Der Augenblick sollte zählen und die in ihm liegende Stille.

nein, nicht zwischen Mann und Frau, das ist ja ein Großer:-)

In der gewählten Distanzierung zu Mitmenschen stellt sich mir die Frage:

Ist es Dickköpfigkeit, verletzter Stolz, empfundene Ungerechtigkeit, fehlende Anerkennung, Unfähigkeit zum Verstehen können / wollen - oder -

Ist es das einfach dahergesagte ( und garnicht so einfache ) Setzen von Grenzen?

Andrea`s Beitrag vermischt sich dabei in meinen Gedanken.

Wo ist der kleine Unterschied, oder gibt es gar keinen?

Ja, es geht. Und es ist viel einfacher, als ich dachte.

Ich habe mit einer Zeitmaschine, meiner eigenen Entwicklung aus den letzten 3 Jahren, in die Zukunft schauen dürfen. Wer im Moment in einer etwas emotional stabileren Verfassung ist als ich und es sich zutraut - in zwei, drei Tagen werdet ihr meinem Bericht lesen können. Auch, wie es jeder selber einmal erleben kann, soll nicht mein Geheimnis allein bleiben.

Ihr kennt bestimmt auch das Gefühl. Man schreibt, und schreibt und schreibt, fragt sich, wo geht das alles hin und was soll das. Und dann, man fragt sich mittlerweile gar nicht mehr, kommt etwas zusammen. Die unterschiedlichsten Beiträge, Gedanken und Kommentare fixieren sich langsam auf ein Ziel, wie ein Pfeil, der nunmehr kerzengerade der schwarzen Mitte entgegenrast, unaufhaltsam auf der gewählten Bahn.

Mit Michael`s Kommentar zeigte sich die Zielscheibe, in welcher der Pfeil treffen will. In dem Gespräch mit Geizigen, die nur das Notwendigste geben und alle Ressourcen für sich selbst behalten, und den Großzügigen, die alles geben, simbolisiert sich darin für mich: der Egoist und die Gemeinschaft.

Und schlagartig kapier ich, daß beides Notwendig ist. Schon seit längerem habe ich mich zu diesem, meinem Weltbild vorgetastet, in dem ich annehme, daß beides Grundelemente unseres Dasein sind. Immer habe ich mich aber gefragt: Egoist “ODER” Gemeinschaft, welches ist der richtige Weg? Nicht erkannt hatte ich, dass es für mich heißen soll: “UND”.

Der Egoismus trägt den Lebenswillen, der eigene Kampf ohne Rücksicht auf den Anderen - Leben wollen.

Die Gemeinschaft trägt den Überlebenswillen, angewiesen sein auf den und die Anderen, mit denen soeben noch der Exitenzkampf geführt wurde.

Was für ein Spannungsfeld.

Geburtshelfer der nächsten Beiträge, sowie der vielen schon Geschriebenen, war mein Freund Peter. Dafür danke ich dir, für diese fast immer schmerzlosen Geburten. Der Abend war aber leider wieder viel zu kurz, in einem unserer schönen Leipziger Parks und ich weiß gar nicht so recht, wo ich anfangen soll?

Draußen, vor den Toren der Leipziger Stadt, gleich hinter der Gedenkstätte des Schwedenkönigs, kommt ein kleines Örtchen, mit einer noch kleineren Kirche und einem noch kleinerem Friedhof. Hin und wieder, jeder von uns beiden getrennt, legt dort schon einmal eine Pause ein und hält Zwiesprache mit dem Herrn der dort ruht, Nietzsche.

Götzendämmerung – Affirmationen. Hui, dabei werde ich so richtig lebendig. Dann nehme ich den Hammer und lasse MEINEN Götzen des Geizes seinen hohlen Ton erklingen. Und mit dem ersten Schlag wirbelt Staub auf und aus dieser Staubwolke schauen mich Gesichter an. Ich kenne sie alle und sie scheinen mich zu fragen: Na, was denkst du von uns?

„Hm“, sage ich, Read the rest of this entry »

Was mich bei Geiz noch mehr beschäftigt als in Teil I ist die Frage:

„Wenn ich in materiellen Dingen ein großzügiger Mensch bin, kompensiere oder substituiere ich damit meinen Geiz der menschlichen Ebene?“

Wenn das stimmt, würde das im Umkehrschluss bedeuten, materiell geizige Menschen sind großzügige Menschen im Miteinander leben, des Gebens und Nehmens dabei.

Und das – glaube ich nicht.

Das könnte in einer weiteren Schlussfolgerung heißen, dass großzügige Menschen sowohl im GEBEN als auch im NEHMEN einen großen Anspruch haben.

Und das wiederrum – glaube ich schon.

Und richtig kompliziert wird alles dadurch, das menschliches Denken oft einfach linear ausgerichtet ist, in kausalen wenn – dann Beziehungen.

Was heißt das?

Soll der Mensch über seine linearen Denkmodelle nicht hinausschreiten und bestimmte Fragen gar nicht stellen – oder ist genau das die Herausforderung?

Nicht selten fühle ich mich unsicher, wenn ich Zwischenbilanz ziehe. Bin ich dort, wo ich immer hinwollte, oder rede ich mir ein, dass ich dort, wo ich jetzt bin, immer sein wollte. Der klassische Selbstbetrug - die Aufrechterhaltung des eigenen positiven Selbstbildes.

Ich entschließe mich für den Selbstbetrug. Damit erklärt sich auch sein Sinn und Zweck für mich, seine Notwendigkeit. Ihm weiterhin kritisch zu begegnen bleibt. Ebenso die stille Hoffnung, dass der Selbstbetrug nur ein Selbstbetrug war.

Wie dem auch sei, was braucht der Mensch mehr, als 12 qm?

Wenn ich vor der umgebauten Garage sitze, den blauen Himmel über mir, den wunderschönen und ruhigen Garten vor mir, Gedanken an Arbeit keine Chance finden und sich die Frage stellt:

„Wann hast du dich jemals schon so wohl gefühlt ?“, dann stimmt das Leben.

In diesen Momenten gibt es keinen Selbstbetrug. Nur im Rückblick, in der Erinnerung. Aus der ehemals „gefühlten“ Stimmigkeit wird eine „nachdenkliche“ Unstimmigkeit.

Und wenn sich dann nach und nach andere Bilder dazu gesellen, die diesem ähnlich sind, dann sehe ich mich dabei immer in der Gesellschaft anderer Menschen oder allein in mir. Aber ich finde keine Bilder, die dieses Gefühl in dieser Intensität ermöglicht hätten, die einen materialistischen Ursprung haben.

Was sagt mir das?

“Für alle Anderen weiß ich immer Rat und kann genau sagen, was zu tun ist, nur für mich - nicht”.

Das sagte er häufig, lächelte dabei in die Runde und seine fragenden Augen suchten, ob aus seinem Schach Matt doch noch jemand ein Remis machen könnte. Wir schwiegen und ließen dem Satz seine Zeit. Dann wechselten wir das Thema.

Wenn ich etwas erfahrenn möchte, z.B. wo überall am Donnerstag gesetzlicher Feiertag ist, dann kann ich nicht danach fragen, wann fällt der nächste 13. auf einen Freitag. Ich und man sind nun einmal nicht in der Lage, uns selbst aus der Distanz etwas neutraler und emotionsfreier zu betrachten. Ego und Selbstbild tun ihr übriges.

Nicht selten lese ich in Beiträgen und Kommentaren, teilweise in angewideter Form des Schreibers, wie dringenst vor einem Seelen Streptease abgeraten und gewarnt wird. Es ist mit Sicherheit eine Gratwanderung, dies im Netz zu formulieren. Dennoch befindet sich jeder Mensch immer mal in einer seelischen Hilfsbedürftigkeit, auch die, die so sehr davor warnen. Und nicht immer ist ein Mensch in der Nähe, der Unterstützung in genau dieser Situation leisten kann und möchte.

Ich bin schon der Meinung, daß blogs nicht nur eine Selbstdarstellungsfunktion haben sollten, nur dafür - ich weiß nicht. Und ich danke Michael, für die wenigen und doch sehr aufmunternden Worten in seinem gestrigen Kommentar, und ich weiß auch genau, dass mir meine anderen virituellen Freunde meiner blogroll, ob Wandelgänge, ver-rückte oder Berlinerinnen ein paar Worte des Mutes spenden würden, würden sie es aus meinem Beitrag so er-lesen.

Es ist für mich nicht leicht zu lernen, “bitte” zu sagen, wider aller Vernunft, wider allem meinen Stolz.

Es ist nicht so, dass ich keine Lust zum Schreiben hätte. Im Gegenteil. Aber soviel Durcheinander.

Wann geraten Menschen aus dem Tritt?

Wenn sich Träume und Ziele verlieren?

Ja, ich glaube, so ist das. Und ich habe in meinen letzten Jahren viele schöne und gute Phasen gehabt, auf die ich mich auch wieder freue. Aber jetzt, sitze ich mal ein wenig daunten und wurschtele mich so langsam wieder hoch. Das gehört dazu. Yin und Yang. Was werde ich diesmal lernen?

 

August 2008
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